Wer im Laufe seines Lebens nicht nur einmal an Depression erkrankt, sondern immer wieder durch diese dunklen Täler schreiten muss, leidet unter der so genannten rezidivierenden depressiven Störung. Rezidivierend bedeutet „wiederkehrend, von Rückfällen betroffen“ und wird im internationalen Verzeichnis der Krankheiten und Verletzungen, der ICD, mit dem Code F33 gekennzeichnet. Auch die jährlich wiederkehrende Winterdepression zählt zu den rezidivierenden depressiven Störungen.

Ursachen rezidivierender depressiver Störungen

Sowohl Ursachen als auch Symptome von wiederkehrenden Depressionen sind grundsätzlich die gleichen wie bei einmalig auftretenden Depressionen. Meist haben Depressionen nicht nur einen Grund, sondern bei Ausbruch einer depressiven Episode spielen mehrere Faktoren zusammen. Dies können beispielsweise genetische Veranlagung, ungünstige Lebensumstände, belastende Ereignisse und Suchtverhalten sein. Erfahren Sie jetzt mehr über Depression auf unserer Übersichtsseite zum Thema.

Welche Formen gibt es?

Eine rezidivierende depressive Störung kann in jedem Lebensalter manifest werden: vom Kind oder Jugendlichen bis hin zum Senior. Typisch ist das Auftreten ab dem 30. Lebensjahr. Die Dauer der depressiven Episoden kann schwanken von wenigen Wochen bis hin zu vielen Monaten, teils sogar über einem Jahr. Der Beginn kann akut oder schleichend sein. Die Symptome sind die gleichen wie bei einer einmalig auftretenden Depression. Sie können seelischer Art sein (z. B. Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Ängste, Grübeln, Schuldgefühle), sich aber auch körperlich zeigen (z. B. erhöhte Infektanfälligkeit, Kopfschmerzen, übermäßige Müdigkeit, Schlafstörungen aller Art, Appetitlosigkeit usw.).

Wie häufig ist die rezidivierende depressive Störung?

Mehr als zwei Drittel der Menschen, die im Verlauf ihres Lebens an einer Depression erkranken, erleben nach der vorläufigen Genesung einen Rückfall. Wie insgesamt bei Depressionen so sind auch bei rezidivierenden depressiven Störungen Frauen häufiger betroffen als Männer. Am häufigsten treten Rückfälle innerhalb von sechs Monaten nach der vermeintlichen Genesung auf. Sie sind allerdings auch noch Jahre oder Jahrzehnte später möglich. Die hohen Rückfallzahlen stellen für viele Betroffene eine große Belastung dar. Auf der anderen Seite können sie zum Anlass genommen werden, verstärkt auf das eigene Wohlbefinden zu achten.

Unterscheidung zu anderen Formen der Depression

Im Unterschied zur chronischen Depression ist die rezidivierende depressive Störungen durch immer wiederkehrende Phasen mit weitgehender Beschwerdefreiheit gekennzeichnet. Wechseln depressive Phasen mit manischen Episoden ab, die von Überaktivität und Euphorie charakterisiert sind, so spricht man von einer bipolaren Störung. Eine längerfristig (mehr als zwei Jahre) andauernde depressive Verstimmtheit wird Dysthymie genannt. Die Deutsche Depressionshilfe stellt auf Ihrer Website die unterschiedlichen Verlaufsformen in sehr übersichtlicher Form grafisch dar.

Was kann man dagegen tun?

In der Akuttherapie wird versucht, so schnell wie möglich die schlimmsten Beschwerden zu lindern. Dies kann durch Medikamentengabe geschehen, durch Aufnahme in einer teil- oder vollstationären Klinik und vieles mehr. Noch mehr als bei anderen psychischen Störungen ist bei der rezidivierenden depressiven Störung eine längerfristige Therapie sinnvoll und hilfreich. Auch wenn akute Episoden häufig durch ungünstige Lebenssituationen (z. B. Armut, Stress, Alleinerziehendsein) oder singuläre belastende Ereignisse (z. B. Verlust des Arbeitsplatzes oder Partners) ausgelöst werden, so unterliegen dem doch in der Regel zusätzlich grundsätzliche Schwierigkeiten in der Lebensführung, die nicht ad hoc gelöst werden können.

Prävention ist wichtig

Wer bereits mehrmals eine depressive Phase zu durchleben hatte, sollte fortan besonders aufmerksam auf sein psychisches Gleichgewicht achten. Viele Betroffene kennen sowohl ihre individuellen Alarmsignale (z. B. häufige Infekte oder übergroße Müdigkeit) als auch Wege und Mittel, die ihnen in depressiven Episoden helfen. Dies können Medikamente sein, aber auch soziale Aktivitäten, gern ausgeübte Tätigkeiten wie Musizieren oder Malen, Sport, der Aufenthalt im Freien, Tagebuchschreiben, das Einhalten eines geregelten Tagesrhythmus und vieles mehr. Mehr dazu auch in unserem Artikel: „Was jeder selbst gegen Depressionen tun kann„.

Wichtig ist, bei den ersten Anzeichen einer depressiven Episode – also solange noch Reste von Antrieb und Motivation vorhanden sind – aktiv zu werden und sich nicht tatenlos dem Schicksal Depression hinzugeben. In der Therapie von Betroffenen mit rezidivierender depressiver Störung wird auf die Rückfallprophylaxe besonders hohen Wert gelegt.