Die Tage werden kürzer und dunkler, wir bewegen uns weniger im Freien. Manche Menschen entwickeln im Herbst daraus eine so genannte Winterdepression. Die Symptome sind die einer jeden leichten Depression: Niedergeschlagenheit, Müdigkeit, extremes Schlafbedürfnis und Antriebsmangel. Dazu kommt häufig auch Heißhunger auf Süßes. Im Frühjahr geht die saisonale Depression von selbst wieder zurück.

Was ist eine Winterdepression?

Eine Winterdepression zählt zu den psychischen Störungen. Der Begriff bezeichnet eine saisonale Störung des Gefühlslebens (SAD = seasonal affective disorder). Eine Winterdepression ist in erster Linie zurückzuführen auf die veränderten Lichtverhältnisse in der dunklen Jahreszeit und damit verbundenen Veränderungen im Hormonhaushalt.

Etwa ein bis drei Prozent der Menschen leiden unter einer SAD. Die Winterdepression zählt zu den selteneren Formen der Depression. Frauen erleiden häufiger eine Winterdepression als Männer. Auch Kinder und Jugendliche können erkranken. In südlichen Ländern kommt die Winterdepression seltener, in nördlichen Ländern häufiger vor. 

Da die Winterdepression jedes Jahr wieder auftritt, zählt sie zur Gruppe der rezidivierenden (wiederkehrenden) depressiven Störungen (vgl. https://www.therapie.de/psyche/info/index/icd-10-diagnose/f3-affektive-stoerungen/f33-rezidivierende-depressive-stoerung/).

Die Abgrenzung zu anderen Formen der Depression ist nicht einfach, entwickeln Menschen doch auch während der Wintermonate klassische Depressionen, die nicht bzw. nicht in erster Linie auf die Jahreszeit zurückzuführen sind. Eine harmlose Form der Winterdepression ist der Winter-Blues. Mediziner nennen diese abgeschwächte Form der saisonalen Depression subsyndromale Depression. Hier finden Sie Informationen zu verschiedenen Formen der Depression und Behandlungsmöglichkeiten.

Winterdepression: Anzeichen und Symptome

Hauptsymptome für eine Winterdepression sind Traurigkeit, Niedergeschlagenheit und Gereiztheit sowie Müdigkeit, Antriebsmangel und extremes Schlafbedürfnis. Vor allem das Aufstehen am Morgen fällt Betroffenen extrem schwer. Viele Menschen entwickeln in einer Winterdepression Heißhunger auf Kohlenhydrate und vor allem Süßes. Daher nehmen Betroffene im Winter regelmäßig zu. 

Appetit auf Süßes, Gewichtszunahme, erhöhtes Schlafbedürfnis und geringerer Antrieb als im Sommer kennen viele Menschen. In einer Winterdepression sind die Symptome allerdings so stark, dass sie zur Belastung werden und die Lebensqualität stark einschränken.

Winterdepression: Ursachen

Hauptgrund für die Entwicklung einer Winterdepression ist die eingeschränkte Tageshelligkeit im Herbst und Winter. Der Mangel an Sonnenlicht wirkt sich auf das menschliche Hormonsystem aus. Der menschliche Tag- und Nachtrhythmus ist eng mit dem Einfall natürlichen Lichts verbunden. Wird das Tageslicht weniger, schüttet der Körper mehr Melatonin aus. Melatonin ist das so genannte „Schlafhormon“ – es macht müde. Im Winter sind die Lichtmenge und -intensität insgesamt geringer, daher ist die Melatoninausschüttung höher.

Bei Menschen mit Winterdepression ist der Informationsfluss vom Auge ins Gehirn gestört: Sie sind weniger lichtempfindlich. Ihr Gehirn wird daher noch mehr zur Ausschüttung von Melatonin angeregt als im Winter ohnehin üblich.

Der erhöhte Melatoningehalt erklärt auch Symptome wie Niedergeschlagenheit und Gereiztheit, denn der Körper wandelt den Botenstoff Serotonin in Melatonin um. Serotonin wird auch „Glückshormon“ genannt, es hebt die Stimmung. Sinkt nun der Serotoninspiegel, hat dies auch Auswirkungen auf das Gemüt.

Der Körper versucht, dem Mangel an Serotonin entgegenzuwirken und verlangt deshalb verstärkt nach Süßem: Aus Zucker und einigen anderen Inhaltsstoffen von Schokolade kann er Serotonin herstellen.

Winterdepression: Diagnose

Die Diagnose einer Winterdepression beruht in erster Linie auf dem diagnostischen Gespräch. Treten die belastenden Symptome saisonal regelmäßig im Herbst auf bilden sich im Frühling wieder zurück, ist von einer Winterdepression auszugehen. Ein Facharzt kann am besten abschätzen, ob es sich um einen leichten Winterblues oder eine ggf. behandlungsbedürftige Winterdepression handelt.

Da Depressionen auch körperliche Ursachen haben können, wird der Arzt internistische und neurologische Aspekte berücksichtigen. Blutuntersuchungen, der Ausschluss einer Schilddrüsenunterfunktion und einer Demenz sind hier üblich. Besonderes Augenmerk wird der Arzt auf einen eventuellen Vitaminmangel legen. Vor allem Vitamin D, Vitamin B6 und Vitamin B12 stehen mit der Entwicklung von Depressionen im Zusammenhang.

Erste Hinweise zur Diagnose einer Depression kann ein kostenloser, anonymer Online-Depressions-Test sein. Er kann allerdings niemals den Gang zum Arzt ersetzen, wenn Verdacht auf eine Depression besteht.

Was tun gegen Winterdepression?

Da die Winterdepression auf Lichtmangel zurückgeht, hilft den meisten Betroffenen eine Lichttherapie. Hierfür gibt es spezielle Lichtgeräte, denen sich der Patient in der Regel zwei Wochen lang zweimal täglich aussetzt.

Sowohl zur Behandlung als auch zur Vorbeugung ist es hilfreich, sich so viel wie möglich im Freien zu bewegen, um ein möglichst hohes Maß an Tageslicht abzubekommen. Auch bei bedecktem Himmel dringt dabei mehr Licht ins Gehirn. Spaziergänge, Radfahren, Walking oder Joggen vor allem am Morgen leisten einen guten Beitrag zur Bekämpfung der Winterdepression.

Winterdepression: Was hilft?

Als pflanzliches Hilfsmittel gegen leichte und mittlere Depressionen haben sich Präparate mit Johanniskraut (Quelle: Deutsche Apothekerzeitung) bewährt. Ihre Einnahme sollte aber immer mit den behandelnden Ärzten besprochen werden, da der Wirkstoff Einfluss auf die Wirkung anderer Medikamente hat.

Um der Überproduktion von Melatonin entgegenzuwirken und die Stimmung zu heben, kann die Gabe von antidepressiven Medikamenten, die den Serotoninspiegel heben, eine Lösung sein. Begleitend kommt auch eine Psychotherapie in Frage.

Sommerdepression

Eine weniger bekannte Form der saisonalen Störungen des Gefühlslebens ist die Sommerdepression, von der vor allem junge Frauen betroffen sind. Bei einer Sommerdepression ist vermutlich die Melatoninausschüttung zu gering, sodass es zu Schlafstörungen und Schlafmangel kommt. Daraus entstehen übergroße Müdigkeit, Gereiztheit und Niedergeschlagenheit.